Uros, wie geht es dir in Krems und beim UHK?
Mir gefällt es in Österreich und besonders in Krems sehr gut. Krems ist eine mittelgroße, schöne und gemütliche Stadt und sehr übersichtlich. Viele Leute kennen sich. Ich werde oftmals angesprochen. Auf Grund meiner Größe falle ich auf, wenn ich in der Innenstadt bin. So werde ich schon öfters auf den Handball angesprochen.
Dazu hat Krems den Vorteil der Wien-Nähe und des Schwechater Flughafens.
Du hattest ja bereits viele Übersiedlungen in deinem Handballerleben. Wo hast du überall gespielt?
Ich bin bereits mit sehr jungen 21 Jahren ins Ausland gegangen*. Zuerst begann ich in der Schweiz. Nach 3 Jahren wechselte ich nach Italien. Dort blieb ich auch 3 Jahre. Dann kam ich nach Slowenien und etwas später nach Deutschland. Jetzt spiele ich in Österreich.
Es gab verschiedene Gründe, warum ich des Öfteren wechselte. Zum einen wollte ich neben meiner Muttersprache Serbisch und der Schulsprache Englisch weitere Sprachen erlernen. Neben Deutsch spreche ich daher auch recht gut italienisch. Mit 4 Sprachen bin ich daher nicht schlecht für mein späteres Berufsleben aufgestellt.
Natürlich gab es dabei auch finanzielle Überlegungen und auch bessere Angebote. In Italien kam die Wirtschaftskrise, diese betraf auch die verschiedensten Sportvereine. Die Handballvereine konnten sich immer weniger Ausländer leisten. Diese mussten daher wechseln.
Von wo genau in Serbien kommst du und kannst du uns etwas über deine Heimat erzählen?
Mein Heimatland Serbien ist zwar ein recht kleines Land, hat aber sehr viel Tradition. Dies vor allem im Sport. Wir sind in vielen Ballspielarten Weltklasse, so z.B. in Volleyball, sowohl Damen als auch Herren, oder in Basketball. Aber auch in den Wassersportarten, Fußball oder Handball sind wir gut. Außerdem veranstalten wir jetzt die Handball – EM.
Ich stamme aus der mittelgroßen Stadt Sabac. Sabac kann man gut mit Krems vergleichen. Die Stadt hat ca. 53.000 Einwohner und sie liegt ebenfalls an einem in etwa gleich großen Fluss, der Save. Nur ist es bei uns zu Hause flacher. In meiner Heimatstadt haben wir einen sehr guten Handball-Club namens RK Metaloplastica Sabac. Wir wurden vor ca. 20 Jahren 2 Mal Sieger in der europäischen Champions-League. Wir haben eine große Handballhalle für über 3.000 Zuschauer.
Mit dem Auto benötige ich von hier nach Sabac ca. 6 Stunden. Meine Heimatstadt liegt etwas westlich von Belgrad.
Wann und wo hast du mit Handball begonnen und wann kamst du auf die Aufbauposition?
Ich begann in Sabac mit ca. 9 Jahren Handball zu spielen. Handball ist bei uns Tagesgespräch. Ich begann auf der Flügelposition und wechselte etwas später, als ich zu wachsen begann, auf die halbrechte Position. Bereits mit 16 Jahren bekam ich die Chance in der Kampfmannschaft zu spielen. Wir trainierten täglich sehr viel und auch hart. Daher konnte ich bereits mit 21 Jahren in das besser zahlende Ausland wechseln. Außerdem wollte ich international Erfahrungen sammeln und nahm daher das Angebot aus Luzern an.
Welche Schulen hast du besucht, bist du Student oder hast du einen Beruf erlernt?
Nach der Grundschule wechselte ich in das Gymnasium. Dort machte ich Matura und begann anschließend in Belgrad mit einem Wirtschaftsstudium. Nach 2 Jahren Studium konnte ich das 3. Jahr von Luzern aus absolvieren. Die Verbindung beider Städte war mittels Flugzeug recht gut. In Italien ließ sich dies dann nicht mehr fortsetzen. So fehlt mir jetzt noch ein gutes Jahr zu meinem Abschluss als Magister. Da Krems wesentlich günstiger liegt, überlege ich natürlich jetzt mit meinem Studium fortzufahren.
Welche sportlichen und persönlichen Ziele hast du und möchtest du länger in Krems bleiben?
Sportlich gesehen möchte ich in meiner aktiven Zeit einmal Meister in einem Land werden. Ich kann mir recht gut vorstellen, dass ich hier in Österreich mein sportliches Ziel umsetzen kann.
Ein persönliches Ziel ist, dass ich früher oder später meinen Abschluss als Magister der Wirtschaft umsetze. Ich möchte nach meiner aktiven Zeit als Handball-Spieler unbedingt in die Wirtschaft wechseln und dazu ist ein fertiges Studium notwendig und meine Fremdsprachen-Kenntnisse sind von Vorteil.
Da ich beide Ziele über Krems erreichen kann, ist in Krems zu verbleiben ein mögliches weiteres Ziel.
Wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt.

Wie bist du zum UHK gekommen?
Mein Manager und der UHK Trainer Stefan Szilagyi kennen sich gut. Sie kamen ins Gespräch, da der UHK einen großen Linkshänder suchte. So kam ich zu einem längeren Probetraining nach Krems. Ich fand dabei zu den Trainern und Spielern einen sehr guten Kontakt, so kam es zu einem positiven Gespräch und zur beiderseitigen Entscheidung.
Wie ist eigentlich der Qualitätsunterschied unserer HLA zu anderen Ländern, in denen du bis jetzt gespielt hast?
Das Schöne an der österreichischen höchsten Liga ist, dass es so viele gute und gleichwertige Mannschaften gibt. Es gibt daher bei keinem Spiel einen klaren Favoriten. Also muss man in jedes Spiel mit der höchsten Motivation gehen und kann in keinem Spiel nachlassen. Wir sind daher als Spieler jede Woche voll gefordert.
Dies war in den anderen Ligen nicht immer so. In der Schweiz z.B. gibt es 2 Top-Vereine, die etwas über unsere Spitzenmannschaften zu stellen sind. Die Kadetten Schaffhausen (übrigens mit dem Bruder von Pavel Hrachovec als Trainer) spielen ständig in der Champions-League und bringen dort sehr gute Leistungen. Sie haben auch ein hohes Budget. Die anderen Mannschaften sind gleich oder unter den österreichischen Spitzenmannschaften anzusiedeln.
In Italien war das Niveau ähnlich wie in Österreich. Durch die wirtschaftlichen Probleme sind sie in den letzten Jahren unter dem Niveau von Österreich gelandet.
In Deutschland können wir uns nicht mit den Topvereinen der ersten Liga vergleichen, die Spitzenmannschaften haben ein wesentlich höheres Budget. Mit denen kann sich fast niemand messen. Mit der zweiten Leistungsstufe können wir aber sehr wohl mithalten.
Was gefällt dir beim UHK, wo muss sich die Mannschaft noch verbessern?
Beim UHK gefällt mir soweit alles sehr gut. Besonders gefällt mir aber die Kameradschaft unter den Spielern und damit verbunden das gesamte Kollektiv. Unsere Stärke liegt im gesamten Auftritt unserer Truppe.
Wir sind nach anfänglichen Problemen in der heurigen Saison immer besser in unseren Rhythmus gekommen und waren gegen alle Top-Mannschaften in den direkten Duellen besser. Gegen die etwas weiter unten stehenden Vereine mussten wir allerdings einige Punkte abgeben. Hier müssen wir uns daher noch verbessern und konzentrierter werden. Dies ist eine Kopfsache die wir abstellen müssen.
Die Fans sagen, dass du gegen eine 6:0 Abwehr sehr gut zur Geltung kommst, gegen offensive Verteidigungssysteme eher weniger?
Siehst du, ähnlich wie Trainer Stefan Szilagyi, auch bei dir noch Steigerungspotential?
Ich bin ja noch nicht einmal ein halbes Jahr in Krems. Dies ist im Handballsport sehr kurz. Es gab Spiele bei denen ich gut zur Geltung kam, bei anderen weniger. Dort wo sich die Gegner besonders auf mich konzentrierten, war es für mich schwieriger. Dafür fanden aber meine Mitspieler mehr freien Platz und daher Möglichkeiten vor.
Natürlich sehe ich noch genügend Verbesserungspotentiale, da sich die einzelnen Spielabläufe mit der Zeit noch besser automatisieren werden.
Mit meinem direkten Partner Andras Bozso hat der Trainer einen Spieler mit anderen Vorzügen. Während ich mit meiner Größe versuche aus der Distanz zu punkten, kann Andras mit seinem ‚eins gegen eins‘ Spielverhalten und mit seiner schnellen Spielweise punkten. Daher kann der Trainer gut variieren und bei Bedarf die Taktik auf unserer Position kurzfristig verändern.
Grundsätzlich kann man schon sagen, dass meine Stärken im Angriffsspiel liegen, dies liegt schon alleine an meiner Größe. Natürlich versuche ich auch in der Abwehr ebenso gut zu spielen, da dies das heutige Spielerprofil auch so fordert.
Kommen wir am Ende zu persönlichem. Bist du verheiratet, hast du eine Lebensgefährtin oder bist du solo? Was machst du privat, ich meine alles außer Handball?
Ich bin zurzeit solo und habe keine fixe Partnerin.
Privat surfe ich sehr gerne im Internet, da ich dabei auch gut relaxe. Natürlich sehe ich auch gerne fern und gehe viel und gerne spazieren. Auch schwimmen betreibe ich sehr gerne. Aber nicht als Sport, sondern um zu regenerieren. Auf Sportarten wie Basketball verzichte ich, da diese zu Verletzungen führen könnten. Auch den Wachauer Heurigen habe ich noch nicht richtig kennen gelernt, hier habe ich noch Nachholbedarf. Den sehr guten Wein aus der Region habe ich allerdings schon gekostet.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen um mich bei unserem Publikum nicht nur näher vorzustellen, sondern auch um mich für die viele Unterstützung zu bedanken. Unsere Fans sind wirklich gut und sie feuern uns auch immer sehr stark an. Dies können wir Spieler sehr gut gebrauchen, vor allem, wenn es einmal nicht so gut läuft. Auch außerhalb der Sporthalle sind unsere Anhänger immer freundlich und hilfsbereit.
Danke für die äußerst positive Aufnahme in Krems.
*Die bisherigen Spielerstationen von Uros Lazarevic:
RK Metaloplastica Sabac
BSV Borba Luzern
Grasshopper Club Zürich
RK Gorenje Velenje
HC Ancona
TV Emstetten
HSC Bad Neustadt
Moser Medical UHK Krems
Nachstehend eine aktuelle Serbien-Karte und ein Foto der Innenstadt von Sabac
dazu einen Link ins Wikipedia:


Sabac liegt westlich von Belgrad am Fluss Save und hat ca. 53.000 Einwohner.
Wenn Sie mehr über Sabac wissen möchten bitte folgenden Link anklicken:
http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%A0abac
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